Die Kunsthalle Nürnberg zeigt mit der
Ausstellung
Arte Povera vom 2.Oktober bis zum 7.
Dezember 1997 einen repräsentativen
Überblick über diese italienische
Kunstströmung der späten sechziger
Jahre. Alle ausgestellten Arbeiten
kommen aus der Münchner Sammlung
von Ingvild Goetz, die in den siebziger
Jahren zunächst als Galeristin und
später als private Sammlerin bereits
sehr früh die Werke der Arte Povera
gesammelt hat.
Der Begriff Arte Povera wurde vor genau dreißig Jahren von dem
italienischen Kritiker Germano Celant geprägt. Er brachte damit auf einen
Begriff, was eine Reihe junger Künstler in Turin, Mailand und Rom damals
unabhängig voneinander beschäftigte. In kritischer Haltung gegenüber dem
herkömmlichen, geschlossenen Werkbegriff und dem etablierten
Kunstbetrieb, wollten die Künstler ihre Werke in der Realität verankern. Im
Gegensatz zu den in den USA entstandenen Strömungen der Pop Art oder
Minimal Art ist diese angestrebte Präsenz in den neuen Werken nicht
geschichtslos, sondern bindet sich in Zitaten und Metaphern bewußt an ein
italienisch-europäisches Kulturerbe.
Die Werke der Arte Povera bilden die Welt nicht ab, sondern erschaffen
sie in poetischen Erzählungen und unerwarteten Konstellationen immer
wieder neu. Die Künstler benutzen die Unmittelbarkeit und
Unkalkulierbarkeit, die vermeintliche "Ärmlichkeit" der Materialien aus
Natur und Leben, um Werke zu schaffen, die offen und veränderlich
bleiben. Feuer brennt und verbrennt, Wasser breitet sich aus und gefriert,
Luft kondensiert zu Reif, Pferde schnauben, Früchte des Feldes wachsen
und vergehen, Neon durchzieht energetisch die Malerei, Gold oder Wachs
erstarren und verschließen. Das Spiel mit der Prozesshaftigkeit, mit der
Fragilität und der Flüchtigkeit elementarer Stoffe verbindet sich in diesen
Werken ganz selbstverständlich mit Errungenschaften der Zivilisation.
Der Überblick über Werke der Arte Povera zeigt, daß diese
Kunstströmung zu einer klassischen Avantgardebewegung der Kunst der
sogenannten "zweiten Moderne" nach 1960 geworden ist. Für die Kunst
von heute liefert sie immer noch wesentliche Impulse in der Beschäftigung
mit den Grenzen und fließenden Übergängen von Kunst und Leben.
Die Ausstellung umfaßt Werke der Hauptvertreter der Arte Povera:
Giovanni Anselmo (*1934), Alighiero Boetti (*1940-gest. 1994), Pier Paolo
Calzolari (1943), Luciano Fabro (*1936), Jannis Kounellis (*1936), Mario
Merz (*1925), Giulio Paolini (*1940), Pino Pascali (*1935-gest. 1968),
Guiseppe Penone (*1947), Michelangelo Pistoletto (*1933), Emilio Prini
(*1943) und Gilberto Zorio (*1944).
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Neue
Weserburg in Bremen, wo sie vom 22. Juni bis zum 7. September 1997 zu
sehen war. Weitere Stationen der großen Überblicksausstellung sind Köln
(Kunstverein), Wien (Museum moderner Kunst) und Göteborg
(Konsthallen).
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der alle Arbeiten
abbildet und wissenschaftlich dokumentiert sowie zahlreiche neue Texte
und Interviews mit den Künstlern enthält. Der Katalog mit 248 Seiten, 263
Abb., davon 150 in Farbe, ist zum Preis von 48,-- DM an der Kasse der
Kunsthalle erhältlich.
< zurück zum Seitenbeginn
< zurück zur Jahresübersicht