Die Kunst der neunziger Jahre ist in ihrer Gestalt von global definierten
Schönheitsnormen ebenso geprägt wie von einer starken Betonung der
Individualität und dem Rückzug auf Privates. In der Ausstellung geht es um
künstlerische Positionen, die auf einen aus den Massenmedien der
siebziger Jahre resultierenden Druck zur Perfektion und leichten Lesbarkeit
reagieren. Es werden dabei auch ganz persönliche Sehnsüchte und
Phantasien formuliert. Die Strategien, mit denen die großen Themen von
Leben, Liebe und Tod verfolgt werden, sind in der Werbe- ud Populärkultur
entlehnt. Doch hinter dem angespannten Lächeln des Banalen verbirgt sich
ein ganz ursprünglicher Sinn für Romantik und Humor.
Die Ausstellung mit Werken von Rita Ackermann, Vanessa Beecroft, Ute
Behrend, Sylvie Fleury, Jun Hasegawa, Mariko Mori, Elisabeth Peyton,
Liza May Post, Pipilotti Rist; Georgina Starr und Jane & Luise Wilson,
gemeinsam konzipiert von Eva Meyer-Hermann und Sadie Coles, wird
anschließend in London zu sehen sein.
In der Schmidtbank-Galerie, Lorenzer Platz 29, läuft parallel zur
Ausstellung ein Videoprogramm. Ein Ensemble von Sitzmöbeln des
Künstlern Mattie Braun lädt dort zum Verweilen ein.
Die Kunstwerke der Ausstellung "Ein Stück vom Himmel - Some Kind of
Heaven" zeigen mit den Mitteln der Malerei, Skulptur, Installation,
Photographie, Film und Video ' ganz normale' persönliche Obsessionen,
Phantasien und Sehnsüchte..
Neben dem Ursprung dieser Arbeiten im Privaten spiegeln die
frech-fröhlichen, glänzenden Oberflächen allgemeine Erfahrungen und
wecken kollektive Erinnerungen.
Die Künstler gehören zu einer Generation, die in den siebziger Jahren
aufwuchs, einer Dekade, die ganz im Bann von Fernsehen, Film und
Magazinen stand. Vorstellungen und Verhaltensweisen erhielten in dieser
Zeit neue Leitbilder und Maßstäbe. Die heute entstehenden Kunstwerke
sind in ihrer Sprache und ihrer Struktur den neuen Medien eng verwandt, sie
erscheinen dem Betrachter vertraut und erleichtern die Annäherung. Das
sichtbare Äußere aller Arbeiten der Ausstellung gehorcht einer in den
neunziger Jahren verbindlich gewordenen Norm des 'Schönen'.
Reklamewelten und Starkultur bilden die Triebfeder für viele der neuen
Arbeiten, doch hinter dem angespannten Lächeln des Banalen verbirgt sich
ein ganz ursprünglicher, animierender Sinn für Romantik und Humor.
Die Arbeiten der Ausstellung dokumentieren nicht, sondern schreiten von
der Wirklichkeit hinüber in Traumwelten, in konstruierte Phantasien und
geklonte Visionen. Neben dem spielerischen Umgang mit den großen
Themen des Lebens, der Liebe und dem Tod, werden Fragen nach
Geschlechterrollen, Gesellschaft und Massenkultur nicht analytisch seziert,
sondern angenommen und mit einem Augenzwinkern auf ihrer Oberfläche
bewegt. Dabei scheinen einige der Arbeiten die zeitgenössische Kultur
geradezu anzubeten und wirken auf den ersten Blick wie Devotionalien. Sie
verzichten auf Expressivität zugunsten standardisierter Formen, die
fetischhafte Züge tragen können. Die bewußten Vereinfachungen führen zu
plakativ umrissenen Erzählungen oder Erscheinungen, die verführerisch
Mode und Popkultur mimen. In den Formeln für Liebe und Sehnsucht
vermischen sich Fiktion und Realität und liefern mehr Informationen als
Lösungen.
Zu den eingeladenen Künstlern gehören:
Rita Ackermann (USA), Vanessa
Beecroft (Italien), Ute Behrend (Deutschland), Sylvie Fleury (Schweiz), Jun
Hasegawa (Japan/England), Mariko Mori (Japan/USA), Elizabeth Peyton
(USA), Liza May Post (Niederlande), Pipilotti Rist (Schweiz), Georgina Starr
(England) und Jane & Louise Wilson (England).
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.
Er enthält einen Text von Jon Savage über Popkultur, einen Essay von Eva
Meyer-Hermann sowie Interviews von Sadie Coles mit den einzelnen
Künstlern.
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