Der seit 15 Jahren jährlich verliehene RENTA-Preis präsentiert sich 1997 in
neuem Gewand: Es wurde ein Gastkurator berufen, in Absprache mit dem
Ausrichter und dem Träger des Preises eine Ausstellung zu entwickeln, die
einem Aspekt zeitgenössischer Kunst gewidmet sein soll. Kurator dieser
Ausstellung ist Prof. Dr. Stephan Schmidt-Wulffen aus Hamburg.
Das Kunstprojekt der RENTA Gruppe Nürnberg findet nicht mehr in der
Norishalle, sondern in der Kunsthalle Nürnberg statt.
Dadurch verändert sich der Charakter der Präsentation:
Das neue, kuratorische
Prinzip läßt eine intensive
Ausstellungsatmosphäre
entstehen, die eine junge,
sehr intime und zugleich
öffentliche Kunst vorstellen
wird.Die RENTA Gruppe
Nürnberg finanziert
Ausstellung und Katalog und
erwirbt eine Arbeit aus der
Ausstellung für das Neue
Museum in Nürnberg.

Londonreisende wissen es: Wer dort ankommt, informiert sich in time out,
was in der Stadt los ist. Ausspannen, sich mit Freunden amüsieren, das
Leben einmal wieder von seiner leichten Seite nehmen. Auch Künstler
nehmen ihre "Auszeiten". Kunst ist bekanntlich auch "Betrieb" und dem
muß man gelegentlich entkommen.
Das Aussteigen kann aber auch grundsätzlicher werden: Künstlerpositionen
entwickeln sich zu Tendenzen; um Werke ranken sich immer mehr
ästhetische Theorien; Namen werden zu Markenzeichen. Einige Künstler
wenden diesem Betrieb den Rücken zu. Sie versuchen sich auszuklinken
aus dem Kunstsystem, seinen Wertansprüchen, seiner Öffentlichkeit und
beginnen aus den eigenen Bedürfnissen Maßstäbe abzuleiten. Diese private
Wunschökonomie schließt die kleinere Öffentlichkeit der Freunde ein, mit
denen sie ähnliche Erfahrungen verbinden, die Interessen und Weltsicht
teilen. Bilder und Zeichen lassen sich leichter emotional aufladen und haben
eine größere Glaubhaftigkeit. Eine pragmatische Kunst, die von den
Kommunikationswegen ausgeht, die ihre Funktionstüchtigkeit bereits
bewiesen haben.
Das Persönliche als Programm? Die "Sorge um sich", wie Michel Foucault
es nannte, plädiert für Maßstäbe, die aus dem eigenen Handeln abgeleitet
werden. Die künstlerischen Ausdrucksmittel werden genutzt, um die eigene
Identität auszuloten. Die Lust an der Farbe, eine überraschende Form, das
Spiel mit einem Stil werden zu Hinweisen; Sie erscheinen als die
Resonanzen von Individualität.
Allzu rasch kann die Erforschung des Subjektiven allerdings als Rückzug
von einem Kunstverständnis verstanden werden, das auch im künstlerischen
Handeln gesellschaftliche Ordnung und politische Zwänge offen gelegt hat.
Doch die Grenzen zwischen dem privaten Vergnügen und dem Beruf sind
bei Künstlern fließend. Ihre Zeichnungen, Videos und Fotos sind durchsetzt
von jenen Bildern, die sich in Kinos und Clubs, in Bars und beim Shopping
anfinden. In allen Arbeiten bestätigt sich: Das Private ist auch das
Öffentliche. Die Bilder der Fotografien, der Videos und Zeichnungen
verbergen ihre Herkunft aus der Medienwelt nicht. Die Individualitäten, die
diese Künstlerinnen und Künstler konstruieren, stehen in einem
Spannungsverhältnis zu jenen Charakteren, die die Massenmedien liefern.
Das Individuelle fluktuiert zwischen diesen kodifizierten Images. Identität
läßt sich nicht mehr einlösen. Die Ausstellung zeichnet die Spuren einer
Bewegung nach, die das Persönliche als ein Umherschweifen, einen
Rollenwechsel begreift.
Die eingeladenen Künstler sind:
Franz Ackermann, Eija-Liisa Ahtila, Kai
Althoff, Henry Bond, Tracey Emin, Oliver Hangl, Kerstin Kartscher, Jochen
Klein, Anita Leisz, Peter Pommerer, Tobias Rehberger, Pipilotti Rist,
Markus Schinwald.
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