Die Kunsthalle Nürnberg stellt vom 14. bis 21. Juni 1998 in der Reihe
Surprisen die Künstlerin Andrea Knobloch (geb. 1964 in Hamburg, lebt
in Düsseldorf) mit ihrem New York Security Mini-Storage Project vor.
Die Surprisen der Kunsthalle Nürnberg ergänzen das
Wechselausstellungsprogramm zur zeitgenössischen Kunst und widmen
sich in loser Folge und mit unterschiedlichen Veranstaltungsformen dem
gewandelten Verständnis künstlerischer Produktion. Mit der vierten
Surprise wird der Tourneeauftakt des New York Security Mini-Storage
Projects gefeiert.
Als 'Mini-Storage' bezeichnet
man in den USA ein
'Klein-Lager'. In einer Stadt wie
New York, in der die Wohnungen
winzig und Dachböden und
sonstige Abstellmöglichkeiten
nahezu unbekannt sind, mieten
viele, die sperrige oder selten
benutzte Dinge besitzen, kleine
abschließbare Einheiten (sogen.
'Locker') in einem 'Mini-Storage'.
Im Gebäude des 'New York Security Mini-Storage' in Manhattan finden
sich Einheiten für so unterschiedliche Nutzungen wie das Unterstellen
eines Würstchenverkaufsstands, die Lagermöglichkeit für Ski und
Surfboard, schallisoliert als Tonstudio oder auch zur Nutzung als
Showroom für Antiquitäten und Kunst.
Vor drei Jahren eröffnete Caroline Nathusius im Locker '5103' auf einer
Fläche von nur fünf Quadratmetern einen Ausstellungsraum. Dieser
Raum ist Vorbild und identischer Zwilling der von Andrea Knobloch aus
Holz gebauten Kopie. Original und Kopie stimmen in ihren Innenmaßen
exakt überein. Die in zwölf Teile leicht zerlegbare und transportierbare
Version hat allerdings weder Boden noch Decke. Sie ist auf die
Gastfreundschaft einer Institution angewiesen, die der Skulptur eine
Basis leiht und ihr Obdach gibt.
Die offizielle Vorstellung des New York Security Mini-Storage Project in
Nürnberg bildet den Auftakt einer größeren Tournee durch weitere
Kunstinstitutionen (Düsseldorf, Zürich, Wien). Das Mini-Storage von
Andrea Knobloch ist als mobiler Ausstellungsraum einerseits auf einen
Gastgeber angewiesen, läßt sich andererseits aber auch nicht
vereinnahmen. Kontext und Inhalte bestimmen nicht die einladenden
Institutionen, sondern die beiden Personen, die das Projekt ins Leben
gerufen haben: die Künstlerin Andrea Knobloch und die Kuratorin
Caroline Nathusius.
Das Mini-Storage führt die Geschichte der Skulptur weiter. Es ist nicht
allein dreidimensionales, skulpturales, räumliches Objekt, sondern ein
Instrumentarium, das Mechanismen der Kunst-Verwaltung durch
Institutionen nachahmt und kopiert. Zugleich unterläuft das Mini-Storage
die Mechanismen, die es repräsentiert, weil es dem Einfluß derer
entzogen wird, die diese Mechanismen üblicherweise einsetzen. Das
Mini-Storage simuliert Verfahrensweisen, die der Vermarktung (nicht nur
von Kunst) dienen. Doch ist nie eindeutig, was Realität oder was Show
ist. Dazu werden keine versteckten Strategien angewandt, sondern
vorgegebene Strukturen offensiv genutzt.
Das Plakat zur Ausstellung wurde von der Künstlerin gestaltet und ist
Teil des Projekts. Anläßlich der Surprise IV hat Andrea Knobloch für die
Kunsthalle Nürnberg zudem Plakattafeln mit dem Schriftzug "neu"
entwickelt, die nicht nur während der einwöchigen Präsentation zu sehen
sind, sondern in Zukunft immer dann auftauchen, wenn die
Ausstellungsräume zur Einrichtung einer neuen Ausstellung für die
Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.
Auch während der Surprise IV werden Hauptbereiche der Kunsthalle
Nürnberg geschlossen sein - mit einer kleinen Besonderheit: Jason
Rhoades, dessen Ausstellung am 1. Juli 1998 eröffnet wird, hat als
Abtrennung zu seinem (dann bereits seit dem 8. Juni laufenden)
Ausstellungsaufbau eine provisorische Bretterwand entworfen, bei der die
Besucher wie durch einen Bauzaun spähen können (nur während der
Surprise IV). Auch diese Holzwand von Jason Rhoades bleibt erhalten.
Während zukünftiger Umbauzeiten steht sie hinter der gläsernen
Eingangstür und zeigt auf einem kleinen, integrierten Videomonitor Bilder
vom Umbau.
Publikation:
New York Security Mini-Storage.
Hg. von Andrea Knobloch und Caroline Nathusius.
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