Mit der Ausstellung Gustav Metzger. Ein Schnitt entlang der Zeit
präsentiert die Kunsthalle Nürnberg den in London lebenden Künstler
Gustav Metzger erstmalig in Deutschland mit einer retrospektiv
angelegten Einzelausstellung.

Historic Photographs: Liquidation of Warsaw Ghetto, 1995 (Aufbausituation)
Gustav Metzger (geb. 1926 in Nürnberg) ist ein Vertreter der
Aktionskunst der späten fünfziger und sechziger Jahre. Eng verbunden
mit seinem Werk sind die Begriffe auto-kreative und auto-destruktive
Kunst, mit denen prozesshafte und maschinengesteuerte Strukturen in
der Kunst bezeichnet werden. Als Künstler, der sich in einem von
Katastrophen geprägten Jahrhundert zurechtfinden muß, begründet
Gustav Metzger mit seinen Theorien zur auto-destruktiven und
auto-kreativen Kunst ein künstlerisches Werk, das sich überwiegend in
vergänglichen Aktionen und temporären Prozessen manifestiert. In
zahlreichen Manifesten und Schriften, die er seit 1959 veröffentlicht hat,
werden seine Ideen und Projekte vorgestellt. Ihren anschaulichsten
Ausdruck hat die Beschäftigung mit auto-kreativen Strukturen in der
Kunst in den Lichtprojektionen mit Flüssigkristallen (liquid crystal
projections), 1965/98, gefunden, die erstmals in Deutschland gezeigt
werden.

Liquid Christal Projections, 1965/98
Das Thema der Zerstörung verbindet Metzger mit den 'Klassikern' der
westlichen Aktionskunst, den Wiener Aktionisten um Hermann Nitsch,
mit Valie Export, Yoko Ono, Raphael Ortiz und vielen anderen, die er
1966 als Sekretär des DIAS-Komitee nach London zu dem "Destruction
in Art Symposium" eingeladen hat.
In seiner Konsequenz, Radikalität und Voraussicht kann Gustav Metzger
Künstlern wie Yves Klein oder Joseph Beuys an die Seite gestellt
werden. Viele seiner oft radikalen, die bestehenden Regeln des
Kunstbetriebs in Frage stellenden und den Begriff des Kunstwerks weiter
entgrenzenden Ideen und Konzepte, sind auch heute noch aktuell und
lassen sich in der Kunst der neunziger Jahre wiederfinden.
Zu seinen jüngsten in Nürnberg gezeigten Arbeiten gehört die Serie der
"Historic Photographs", 1995/99, in der Metzger Photographien aus
unserer jüngeren Geschichte eindringlich präsentiert und auf neue Weise
sicht- und unmittelbar erlebbar macht.
Die Ausstellung Gustav Metzger. Ein Schnitt entlang der Zeit geht vom
Museum of Modern Art in Oxford aus; sie wird in Nürnberg durch eine
ausführliche Dokumentation über das Londoner "Destruction in Art
Symposium" (DIAS) mit zum Teil noch unveröffentlichten Aufnahmen
des Londoner Fotografen Tom Picton und durch ein neue Arbeiten
Gustav Metzgers ergänzt.
Das Konzept für die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg sowie den
begleitenden Katalog (ca. DM 18,--) hat Dr. Michaela Unterdörfer
entwickelt und umgesetzt.
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