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Ausstellungsübersicht 2010




Juergen Teller. Logisch!
bis 14. Februar 2010
Juergen Teller zählt zu den international gefragtesten Mode-, Werbe- und Porträtfotografen der Gegenwart. Die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg wirft mit einer Auswahl der bekannten Fotografien von Kurt Cobain, Kate Moss oder Yves Saint Laurent sowie Beispielen seiner langjährigen Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Marc Jacobs einen konzentrierten Blick zurück. Der Schwerpunkt liegt jedoch deutlich auf den umfangreichen Werkgruppen der letzten fünf Jahre, darunter auch drei neue Fotoserien, die 2009 entstanden und erstmals in Deutschland ausgestellt werden:
Für Paradis standen die englische Schauspielerin Charlotte Rampling und das brasilianische Model Raquel Zimmermann in der Antikenabteilung des Pariser Louvre Modell oder traten spielerisch in Konkurrenz zu Leonardo da Vincis Mona Lisa. Die Serie Der Schlüssel im Schloss wurde in den Regensburger Privaträumen von Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis in Schloss St. Emmeram aufgenommen. Juergen Teller porträtierte deren Tochter Elisabeth zusammen mit den Models Hannelore und Yuri in Kleidern von Elisabeths Mutter aus den 1980er Jahren und in neuen Kollektionen. Zimmermann ist eine umfangreiche Serie von Aufnahmen mit Raquel Zimmermann, die in Tellers Elternhaus in Bubenreuth entstanden sind und die künstlerische Auseinandersetzung mit seiner Herkunft fortführen: Die Familiengeschichte wird hier aus einer neuen Perspektive aufgerollt.
Auch die Serien Ed in Japan (2006) und Louis XV (2004) werden in der Kunsthalle gezeigt. Mit den Aufnahmen aus Japan porträtiert Juergen Teller sensibel seine junge Familie, während er in der Louis XV Serie erotischen Szenen mit Charlotte Rampling im Pariser Hotel Crillon inszeniert.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg zeigt die große Vielfalt von Juergen Tellers fotografischem Werk, das um Inszenierung und Selbstinszenierung, um Authentizität und Projektion kreist. Dabei spielt Teller souverän mit den Klischees und Regeln der Mode- und Werbebranche sowie mit den Erwartungen der Betrachter.
Presseservice

Corinne Wasmuht. SUPRACITY

11. März bis 16. Mai 2010
Eröffnung: Mittwoch, 10. März 2010
Ganz im Widerspruch zum omnipräsenten massenmedialen Bilderrauschen entstehen die in aufwändiger Lasurtechnik auf Holz gemalten Tafelbilder von Corinne Wasmuht in einem altmeisterlichen, minutiösen Prozess der Bilderzeugung. Ihre Werke sind inhaltlich und technisch so komplex verschachtelt, dass nur wenige Bildtafeln im Jahr entstehen. Dieser verlangsamte Malprozess bildet jedoch oft einen Gegenpol zu den ausgewählten Bildmotiven. Corinne Wasmuht zeigt gerade in den Arbeiten der letzten Jahre, die den Schwerpunkt der Ausstellung bilden, vielfach urbane Orte wie zum Beispiel Abflughallen oder Straßenzüge, die sich gerade durch ihre Schnelllebigkeit auszeichnen. Wie in einem Spiegelkabinett mit labyrinthischen Kammern, unendlichen Projektionen und eigentümlichen Verzerrungen enthalten die Gemälde eine Überfülle visueller Informationen. In ihren Bildern reflektiert Corinne Wasmuht immer auch die Geschwindigkeit unserer heutigen Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten.
Frühere Gemälde zeigen häufig Naturelemente, Tierkörper oder Haare in ihren ornamentalen Detailstrukturen. Auch hier wirkt dabei vieles wie gesampelt. In der Musik werden beim sampling Ton- oder Musikaufnahmen zu einem neuen, musikalischen Kontext kombiniert. In den Bildern von Corinne Wasmuht sind es ganze Motivarchive, die sie in einen neuen multiperspektivischen Raum einbettet. Hier wirken diese Motive jedoch nie als Fremdkörper und nur schwer lässt sich entscheiden, was in den riesigen Bildcollagen real und was inszeniert, was natürlich und was digitaler Schein ist. Die mikroskopischen Detailstudien vereinen sich zu einem großen, multiperspektivischen Ganzen.

Karla Black
24. Juni bis 22. August 2010
Eröffnung: Mittwoch, 23. Juni 2010
Ungewöhnliche Substanzen wie Gipspuder, Make-up, Vaseline, Farbpigmente und Nagellack bilden die Werkstoffe für die Skulpturen und Installationen von Karla Black. Auch in ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg füllt die schottische Künstlerin die Räume der Kunsthalle mit diesen, landläufig feminin konnotierten Rohstoffen. Die fragilen Installationen und Skulpturen leben von diesen ungewöhnlichen Materialien, die auch einen Hauch von Chaos und Prozesshaftigkeit in sich bergen: Ein Lufthauch kann das Erscheinungsbild der zerbrechlichen Installation verändern und ein Wassertropfen ihre Oberflächenstruktur verletzen. So sind die Arbeiten meist ephemer und ihre Vergänglichkeit ist als unterschwelliges Motiv stets präsent.
Konsequenz aus dieser Strategie ist auch, dass die Werke von Karla Black, die in Nürnbergs Partnerstadt Glasgow lebt, meist eine Reaktion auf den jeweiligen Ausstellungsraum sind: Ihre Installationen sind kontextbezogen und entstehen erst vor Ort. Die komplexen Ensembles aus Cellophanfolien, die von den Decken hängen, aus Puder, das zu Miniaturwüsten ausgestreut wird, oder aus Papier, das amorphe Gefäßformen einnimmt, sind eine Reaktion auf den jeweiligen architektonischen wie auch sozial-gesellschaftlichen Raum. Die reduzierte Formensprache verbindet sich dabei stets mit einem konzeptionellen Ansatz, denn die vermeintliche Harmlosigkeit der Objekte wird durch Verweise auf eine unter der Oberfläche schlummernde Bedeutung erweitert. Diese minimalistischen Strategien bilden für Karla Black genauso einen Bezugspunkt wie Arte Povera und Land Art, Trash und Glamour, Feminismus und Psychologie.

Mathilde ter Heijne
16. September bis 14. November 2010
Eröffnung: Mittwoch, 15. September 2010
Doppelgänger sind Personen, die einer anderen zum Verwechseln ähnlich sehen. Daher werden ihre Dienste aus Sicherheits- oder Zeitgründen gerne von Stars und Politikern genutzt. Im Werk der niederländischen Künstlerin Mathilde ter Heijne ist dies jedoch anders, denn sie schafft sich die Doppelgänger selbst. Unter Verwendung von Abgüssen ihres Gesichts und ihrer Hände entstehen lebensgroße Dummys, die der Künstlerin stark ähneln. In ihren Installationen, Skulpturen, Audio- und Videoarbeiten gelingt Mathilde ter Heijne durch die Vervielfältigung ihrer Identität ein facettenreiches Rollenspiel: Gesellschaftliche Konflikte lassen sich auf ihre selbstgebauten Stellvertreterinnen übertragen, die große Gefühle wie Schuld und Verzweiflung, Fanatismus und Selbstaufgabe, Egoismus und ideologische Verblendung durchleben. Durch ihre Doppelgängerinnen findet Mathilde ter Heijne eine neue visuelle Form für so unterschiedliche Themen wie Matriarchatsforschung (The House of the Qiao Zi Family), Traumatherapie (The invisible Hero) oder Selbstmordattentate (Suicide Bomb).

Mircea Cantor. Heilige Blumen
9. Dezember 2010 bis 6. Februar 2011
Eröffnung: Mittwoch, 8. Dezember 2010
Die Werke des rumänischen Künstlers Mircea Cantor (*1977) erzählen von gesellschaftlichen Utopien und individuellen Träumen in unserer globalisierten Welt, in der Versprechen vielfach gebrochen und Realitäten oft widersprüchlich sind. Häufig erzeugt Cantor mit verblüffend einfachen Gesten und Mitteln eindringliche poetische Bilder zu existenziellen Fragen des Lebens wie etwa Glück, Freiheit, Sicherheit oder Unabhängigkeit. Für den Videofilm The Landscape is Changing, 2003 lässt Cantor eine Gruppe von Demonstranten mit Spiegeln statt Transparenten durch die Straßen der albanischen Hauptstadt Tirana ziehen. Die reale Umgebung wird in den schwankenden Spiegelbildern aufgelöst, vervielfacht, verschoben und verzerrt. Ohne konkrete Forderungen oder Proteste entzieht sich diese ‚Demonstration’ jeglichen Eingriffsmöglichkeiten der Polizei und wird zugleich zu einer ambivalenten Erzählung mit offenem Ende.
Eindeutige Antworten offerieren Mircea Cantors Arbeiten nicht, stattdessen geben sie Raum für eigene Interpretationen und Vorstellungen, wie auch die Videoprojektion Tracking Happiness, 2009 zeigt. Sechs weiß gekleidete Frauen gehen in dieser filmischen Choreographie im Kreis, setzen ihre Fußspuren in den feinen Sand, die jedoch von den Nachfolgenden gleich wieder mit einem Besen ausgelöscht werden. Liegt das Glück in den ganz auf sich selbst konzentrierten und doch gemeinsamen Bewegungen oder vielleicht in der endlosen Wiederholung des behutsamen Legens und Verwischens von Spuren?
Neben Film und Fotografie setzt Cantor ein breites Spektrum verschiedener Medien ein, das von einfachen Materialien und alten handwerklichen Techniken bis hin zu Zeichnungen aus Kerzenruß, Lippenstift oder Fingerabdrücken auf der Wand reicht. Häufig verbindet er Tradition und Moderne, wie etwa in dem für die Expo 2010 in Shanghai geschaffenen vergoldeten Tor Arc of Triumph. Vorbild sind die kunstvoll geschnitzten Holztore, die seit Jahrhunderten die Dörfer der Maramures im Norden Rumäniens prägen. Die mit geschnitzten Symbolen versehenen Eichenholztore gelten als Wahrzeichen eines Gebietes, in dem Holz den größten Reichtum darstellt. Cantor versah sein Holztor nicht mit den traditionellen Symbolen, sondern, als Zeichen des wissenschaftlichen Zeitalters, mit DNA-Strukturen.
Mircea Cantor hat in Oradea (Rumänien) und in Nantes (Frankreich) studiert. 2001 gründete er gemeinsam mit Gabriela Vanga, Cipri Muresan und Nicu Baciu in Cluj-Napoca das Version Magazine. 2004 gewann er den renommierten Prix Ricard für junge Kunst, er lebt mit seiner Familie in Paris und in Rumänien.
Die Ausstellung wird realisiert in Zusammenarbeit mit dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach und mit dem Kunsthaus Zürich. 2009 ist im Kehrer Verlag Heidelberg ein Künstlerbuch erschienen, das einen nahezu vollständigen Überblick über das bisherige Werk gibt, und die für jede Institution individuell konzipierten Ausstellungen begleitet.

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