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Ausstellungsübersicht
2011
Mircea Cantor
Heilige Blumen
bis 6. Februar 2011
Die Werke des rumänischen Künstlers Mircea Cantor (*1977) erzählen von gesellschaftlichen Utopien und individuellen Träumen in unserer globalisierten Welt, in der Versprechen vielfach gebrochen werden und die Realität häufig widersprüchlich ist. Mit oft ganz einfachen Gesten und Mitteln erzeugt Cantor eindringliche poetische Bilder zu existenziellen Bedürfnissen des Lebens wie etwa Glück, Freiheit, Sicherheit oder Unabhängigkeit. In der Videoprojektion Tracking Happiness (2009) gehen sieben weißgekleidete Frauen im Kreis. Jede löscht mit einem Besen die Spur ihrer Vorgängerin, um sodann ihre eigene Fußspur in den feinen Sand zu setzen. Mit dem unablässigen, behutsamen Hinterlassen und Verwischen von Spuren entwirft Cantor ein poetisches Bild für die Suche nach dem Glück, das Raum lässt für eigene Interpretationen und Vorstellungen.
Auch die neue Fotoserie Holy Flowers, die der Ausstellung den Titel gibt, offeriert keine eindeutigen Antworten. Dargestellt sind zwölf stern- oder eisblumenartige Formen, die wie in einem Kaleidoskop angeordnet sind. Erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass die sternförmigen Motive aus Maschinengewehrteilen gebildet werden ...
Neben Film und Fotografie setzt Cantor ein breites Spektrum verschiedener Medien ein, das von einfachen Materialien und alten handwerklichen Techniken bis hin zu Zeichnungen aus Kerzenruß, Lippenstift oder Fingerabdrücken auf der Wand reicht.
Silvia Bächli und Eric Hattan
Schnee bis im Mai
19. Februar bis 01. Mai 2011
Vier Monate verbrachten Silvia Bächli und Eric Hattan im Frühjahr 2008 in der Hafenstadt Seyoisfjörour im Osten Islands. In einem holzgetäfelten Zimmer, gestrichen in einem ausgewaschenen Grünton, arbeitete Silvia Bächli an den ersten Blättern für ihre Präsentation im Schweizer Pavillon der 53. Internationalen Kunstbiennale in Venedig (2009). Eric Hattan sammelte in diesen Monaten Aufnahmen für seine Videoinstallation All the While, die er auf Einladung des Féstivale de création contemporain, Le Printemps de Septembre in Toulouse produzierte. Hattan filmte dafür aus den Fenstern des kleinen Holzhauses die umliegende verschneite Landschaft. Die Kunsthalle Nürnberg präsentiert das künstlerische Ergebnis dieses Islandaufenthalts: Die Zeichnungen von Silvia Bächli, die in Island entstanden, aber im Kontext der Biennale nicht gezeigt wurden, die Biennale-Präsentation neu konfiguriert, die Installationen All the While und Coin coin de loin en loin (Pêcheurs d’Islande) von Eric Hattan sowie eine Auswahl aus der Fotoserie Blindhaedir. Diese Fotografien sind keine narrative Bebilderung einer gelungenen Reise, sondern Landschaftsdestillate aus Schnee und Eis. Denn davon gab es auf Island in diesen Monaten sehr viel. Die Isländer sagen, dieser Winter sei der Härteste seit den 1960er Jahren gewesen. Mit Schnee bis im Mai.
Unter Helden
Vor-Bilder in der Gegenwartskunst
26. Mai bis 24. Juli 2011
Vielfach wird in der Gegenwartskunst mit Zitaten und Variationen, mit Adaptionen, Samplings und Referenzen gearbeitet. Der Bezug auf andere Künstler oder künstlerische Epochen ist zu einer populären und gängigen Arbeitsweise geworden. Marcel Duchamp malte 1919 der Mona Lisa einen Bart und persiflierte damit eine Inkunabel der Renaissancekunst. Der 27jährige Robert Rauschenberg fragte 1951 Willem de Kooning, ob er eine seiner Zeichnungen ausradieren und daraufhin
als sein eigenes Werk deklarieren dürfe. Was als Akt materieller Zerstörung anmutet, war als Tribut an den bewunderten Maler gemeint.
Die Gruppenausstellung Unter Helden. Vor-Bilder in der Gegenwartskunst begibt sich auf die Suche nach aktuellen Beispielen der künstlerischen Bezugnahme. So lebt Marcel Duchamps Witz beispielsweise in einer Fotoserie des dänischen Künstlerduos Elmgreen & Dragset weiter, die Skulpturen des klassizistischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen einen Rucksack aufsetzen, Tennissocken anziehen oder mit Jeansshorts bekleiden. Bei den in der Kunsthalle Nürnberg ausgestellten Exponaten geht es nicht um eine romantische Verklärung der Vergangenheit, sondern um die subjektive Neuinterpretation eines kunsthistorischen Mythos mit einer dezidiert neuen, eigenständigen Qualität.
Michael Sailstorfer
1. Oktober bis 20. November 2011
Eröffnung: Freitag, 30. Sept., 20 Uhr
Michael Sailstorfer (*1979) arbeitet als Bildhauer gerne mit Objekten aus der Alltagswirklichkeit, die er demontiert oder auseinanderschneidet und in andere Formen überführt, die ihrerseits Objekte oder Geräte aus alltäglichen Zusammenhängen repräsentieren. Gemeinsam ist ihnen die Ästhetik des Handgemachten und der Austausch der Funktionen: Aus Fahr- und Flugzeugen werden beispielsweise immobile Behausungen, ein Betonmischer verwandelt sich in eine Popcorn-Maschine oder aus einem Polizeibus wird ein komplettes Schlagzeug. Michael Sailstorfers Begriff der Plastik ist weit gefasst und schließt auch Gerüche, Geräusche und Bewegungen mit
ein. Während Raketenbaum an Fluxus und Happening anknüpft, katapultieren die Reaktor Arbeiten die kinetische Kunst ins 21. Jahrhundert. Sein um den Prozess des Handelns und der Performativität erweitertes Verständnis von Plastik und Raum, das auch physikalische Gesetzmäßigkeiten und soziale Prozesse einbezieht, scheint Joseph Beuys‘ Haltung nahe. Doch wo bei Beuys die Eigenschaften der Materialien mit metaphysischer Bedeutung und Symbolik aufgeladen werden, vermeidet Sailstorfer die mystische Ebene und setzt auf konzeptuelle Klarheit, hintersinnige Übertreibung und spielerische Experimentierfreude. Die Ausstellung wird begleitet von einem Katalog, der eine erste Werkübersicht bietet, und in Kooperation mit der Kestnergesellschaft Hannover und dem SMAK Gent herausgegeben wird (Distanz-Verlag).
Susan Hiller
10. Dezember 2011 bis 19. Februar 2012
Eröffnung: Freitag, 9. Dez., 20 Uhr
Die seit 1969 in London lebende Susan Hiller (*1940 in Tallahassee/Florida) ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen Großbritanniens, vielleicht weil sie ihrer Zeit im Rückblick stets voraus war. Sie hat bereits in den 1970er Jahren mit innovativen und partizipatorischen Methoden kollektive Erfahrungen wie etwa das Träumen und Erinnern untersucht, später auch UFO-Begegnungen oder Nahtod-Erlebnisse. Hiller arbeitet mit einem breiten Spektrum von Medien wie Sprache und Zeichnung, Film und Fotografie, Fundstücken und Objekten, Audio- und Videoinstallationen. Mit der häufig eingesetzten Methode des Materialsammelns, Archivierens und Analysierens gehört sie zu den konzeptuell arbeitenden Künstlern der ersten Generation, doch setzte sie von Anfang an auch Mittel des Surrealismus wie etwa die 'Ecriture Automatique' oder der empirischen Forschung ein und thematisiert übernatürliche oder visionäre Erfahrungen von Menschen in ihren Projekten. Im Zentrum von Susan Hillers Werk steht der Mensch und die Erforschung der kulturellen und sozialen Phänomene, die seine Identität unheimlich oder unbewusst beeinflussen. Die Künstlerin war mit Schlüsselwerken ihres Oevres bereits 2006 an der Ausstellung This Land is my Land (mit J. Street Project, 2005) und 2007 an dem Projekt Romantischer Konzeptualismus (mit Dedicated to the Unknown Artist, 1972-76) in der Kunsthalle Nürnberg beteiligt. Es hat also eine gewisse Logik, dass Susan Hillers erste große Einzelausstellung in Deutschland in Nürnberg stattfindet.
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